{"id":405,"date":"2016-08-30T11:25:54","date_gmt":"2016-08-30T09:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vmcb.ch\/?p=405"},"modified":"2026-02-17T23:56:02","modified_gmt":"2026-02-17T22:56:02","slug":"alpenbrevet-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vmcb.ch\/?p=405","title":{"rendered":"Alpenbrevet 2016"},"content":{"rendered":"\n<p>Zum Ende der Saison 2015 habe ich den Entschluss gefasst mir f\u00fcr das kommende Jahr ein neues Ziel zu stecken, angespornt durch die tollen Leistung und Erlebnisse anderer Vereinsmitglieder. Auf Grund meiner Trainingsm\u00f6glichkeiten war klar dass es weder eine Tortour noch ein Fr\u00fchjahrsklassiker in Belgien werden konnte doch haben wir in der Schweiz ja selbst genug Tagesrundfahrten welche grosse Herausforderungen darstellen. Und das Alpenbrevet steht mit seiner Geschichte und Tradition quasi als Monument im Schweizer Breitensport da.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit war der Entschluss gefasst und kaum gingen die virtuellen Tore zur Anmeldung auf griff ich zu. Die Silbertour mit ihren 132 km und \u00fcber 3800 hm waren zum Anfang genug, daran w\u00fcrde ich schon genug zu kauen haben. Fortan stellte sich mir die Frage wie ich darauf trainieren sollte. So gelang es mir in der Vorbereitung mehr P\u00e4sse zu fahren als je zuvor in meiner Karriere und dies obwohl ich \u00fcberhaupt nicht zur Kategorie der Bergziegen geh\u00f6re. Ganz im Gegenteil liegen meine St\u00e4rken eher in den Abfahrten. Doch war weder ein Streckenrekord noch eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit mein Ziel. Vor Augen hatte ich nur die drei P\u00e4sse: Grimsel, Furka und Susten! \u00dcber die musste ich irgendwie kommen, egal was geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Verlauf der Saison musste ich jedoch feststellen dass f\u00fcr l\u00e4ngere Bergfahrten meine Kettenbl\u00e4tter der Gr\u00f6sse 53\/ 39 mich nicht ins Ziel bringen w\u00fcrden. Schweren Herzens trennte ich mich knapp drei Wochen vor dem Anlass von meiner geliebten Heldenkurbel und lies mir eine Kompaktvariante mit einem 50er- und 34er-Blatt montieren. Damit sollte ein Tritt gefunden werden welcher mich durchs Alpenmassiv tr\u00e4gt, so meine Hoffnung. Entsprechende Tests verliefen verheissungsvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Freitag, der 26. August war Anreisetag. Ich bestritt das Brevet nicht allein, Patrick und Stefan begleiteten mich wobei beide von den M\u00f6glichkeiten her die Strecke eher schneller absolvieren konnten als ich. Mental machte ich mich also auf eine Solofahrt inmitten von rund 3000 Radfahrern bereit. Patrick organisierte eine super Unterkunft und auch gleich noch Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr den Samstag. Stefan und ich mussten uns erst mal durch den Feierabendverkehr nach Meiringen k\u00e4mpfen. Doch p\u00fcnktlich zur Pasta-Party traten auch wir auf den Plan und bunkerten Kohlehydrate. Danach ging es ins Bett. Zumindest bei mir war aber nicht an Schlaf zu denken. Etwa 30-mal fuhr ich noch mit einem trockenen Lappen \u00fcber mein Rennrad, danach w\u00e4lzte ich mich noch knappe zwei Stunden im Bett und fand keinen Schlaf. Tolle Vorbereitung auf die bis anhin h\u00e4rteste Tour meiner Karriere.<\/p>\n\n\n\n<p>Um f\u00fcnf Uhr klingelte bei allen der Wecker und wir griffen beim Fr\u00fchst\u00fcck nochmals so richtig zu. Bis zur Passh\u00f6he des Grimsel sollte es die letzte Verpflegung sein und das waren dann doch rund 30 km Anstrengung. Meiringen selbst hat sich f\u00fcr den Anlass rausgeputzt, den Start selber haben wir gar nicht mitbekommen, so weit hinten waren wir im Block. F\u00fcnf Minuten vergingen ehe wir \u00fcber die Linie rollten, die Spitze sollte da gem\u00e4ss Speakerdurchsage schon in Innertkirchen sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh4.googleusercontent.com\/-rqEQNwvL5Sc\/V8SXdyUS7zI\/AAAAAAAAFmI\/Msup5UmyK4ge6_JxRia57uwbX8QQrF2JACL0B\/w1024-h768-no\/2016_AlpenBrevet_03.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zusammen mit Patrick pfl\u00fcgte ich mich durchs Feld \u00fcber die gesperrte Strasse. Stefan musste unterwegs noch in die Unterkunft abbiegen um sein Telefon und Portemonnaie zu holen. Am Grimsel hatte er dann genug Zeit aufzuholen. Nach Guttannen lies ich Patrick dann ziehen und versuchte m\u00f6glichst schnell meinen Tritt zu finden was mir auch sehr gut gelang. Noch frisch und bei angenehmen Temperaturen kurbelte ich die Steigung hoch, mental auf die Staumauern vorbereitet. Gelegentlich ein Schwatz mit Leuten aus der Region oder dem \u00fcberholenden Stefan brachten etwas Abwechslung. Und nach fast zweieinhalb Stunden Fahrzeit war auch ich oben. Der l\u00e4ngste Aufstieg war geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz verpflegt und gedehnt, dann ging es schon hinunter nach Gletsch und hinein in die Furka. Meine beiden Begleiter, welche auf der Passh\u00f6he auf mich warteten, setzten sich wieder ab und fuhren die knapp 10 km in ihrem Tempo hoch. Die Sonne brannte nun auf die Serpentinenstrasse und in den Steilst\u00fccken kurz vor dem Hotel Belvedere machten sich die Muskeln in der Kniebeuge bemerkbar. Eine kurze Pause mit einer behelfsm\u00e4ssigen Massage brachte aber Linderung und auch die Furka war alsbald bezwungen. Wiederum warteten meine beiden Vereinskollegen auf mich was mich pers\u00f6nlich aufstellte. Patrick versorgte mich noch kurz mit Salz und Energie und schon konnte es weitergehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh5.googleusercontent.com\/-Nt6MEoqpl9c\/V8SXgGhJRvI\/AAAAAAAAFmI\/J8I5WPq9A08hzejh4dg3F-cdgGbVBzJEwCL0B\/w1024-h576-no\/2016_AlpenBrevet_16.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nicht nur den Rennradfahrern machte die Hitze zu schaffen, auch das Material litt. Das Wasser in den Flaschen kochte, Energieriegel schmolzen im Trikot und mein Sattel schien immer weicher zu werden, so liess er sich ungewohnt bewegen und verbiegen. Auch seine T\u00f6ne waren mir bis anhin unbekannt. Sollte ich w\u00e4hrend der Fahrt etwa zugenommen haben? Egal, die Abfahrt hinunter nach Realp forderte nun die volle Konzentration. Die schmale, eher schlechte Strasse zusammen mit dem Motorrad- und Reisebusverkehr hatte es in sich. Die Bremsen brachten die Felgen zum Gl\u00fchen und w\u00e4hrend Stefan und ich in Gedanken bei unseren Liebsten waren und vorsichtig schon mal unsere Erbg\u00fcter im Geiste auflisteten machte sich Patrick daran seine Abfahrtskills auszutesten und \u00fcberholte mal eben noch einen Touristenbus. Unten in der Ebene nach Hospenthal erwischten wir dann zum Gl\u00fcck eine Gruppe welche uns vor dem gr\u00f6ssten Gegenwind bewahrte. In Andermatt z\u00e4hlte dann nur noch die Kalorienaufnahme um f\u00fcr das Schlussst\u00fcck gewappnet zu sein. Neu konnte man in Andermatt sein Abenteuer beenden, das nennt sich dann \u201eBronzetour\u201c. Somit hatte ich die Wahl: Abbruch und in den Shuttle nach Meiringen oder das eigentliche Ziel im Auge behalten und auch den letzten Pass erklimmen? Nach R\u00fccksprache mit meinen beiden Begleitern, welche beide nicht als grosse Motivationsk\u00fcnstler in die Geschichte eingehen werden, habe ich mich entschieden den urspr\u00fcnglichen Plan beizubehalten und mich dem Susten zu stellen. Schon ging es die Sch\u00f6llenen hinunter nach Wassen und am Fusse der Steigung habe ich mich endg\u00fcltig von Stefan und Patrick verabschiedet. Beiden habe ich versichert dass sie oben nicht mehr warten m\u00fcssen und sich ins Ziel k\u00e4mpfen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich hiess es nun den richtigen Tritt zu finden um der grossen Hitze aber auch der unnachgiebigen Steigung trotzen zu k\u00f6nnen. Leider gelang mir dies weniger gut als ich mir erhoffte und so wurde jeder Meter zum Kampf. Nach etwa 10 km baute die Organisation eine Wasserstation ein an welcher ich nachtanken konnte und nochmals durchschnaufte. Nun waren es noch circa 8 km bis zur Spitze und damit dem eigentlichen Ziel. Doch die Sonne brannte und der Schweiss lief allen nur so in die Augen. Nach einem weiteren Kilometer musste ich nochmals kurz aus den Pedalen und an einer Steinmauer anhalten da ich nichts mehr sah vor lauter Schweiss.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh3.googleusercontent.com\/-Ssr59KkjeBk\/V8SXgubvZUI\/AAAAAAAAFmI\/sTp8YFDUeoslYUKVUJIB_c6G7GoIrbgwQCL0B\/w1024-h576-no\/2016_AlpenBrevet_20.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Was dann geschah sprengte meine schlimmsten Bef\u00fcrchtungen: die Sitzstreben an meinem Sattel waren auf beiden Seiten knapp vor der Klemmung gebrochen! Daher das schwammige Gef\u00fchl beim Sitzen. Sofort machte sich Panik in mir breit, ein Kloss im Hals und Druck auf der Brust. Wie soll es nun weitergehen? Kann ich damit weiterfahren? Was wenn es auch hinter der Klemmung bricht? Die Strebe st\u00fctzte sich durch mein Gewicht an der Bruchstelle ab, doch wie lange das hielt war ungewiss. Ich entschied mich bis zur n\u00e4chsten Haltestelle des Postautos weiterzufahren, jedoch f\u00fchlte sich dies sehr ungem\u00fctlich an. Das n\u00e4chste Postauto w\u00e4re erst in 2:30 Stunden gefahren und h\u00e4tte 90 Minuten gebraucht bis nach Meiringen, also keine Option. Nochmals k\u00e4mpfte ich mich einige Meter nach oben bis kurz vor die kleine Sustengallerie. Als der Sattel jedoch immer bedrohlicher knackte brach ich den Versuch ab. Lange Minuten stand ich da, beobachtete andere Fahrer und pr\u00fcfte meine Option. Doch zum Schluss half alles nichts: ich musste die Notfallnummer der Organisation w\u00e4hlen und mitteilen dass ich Hilfe ben\u00f6tigte. Nach 45 Minuten holte mich ein Shuttlebus ab in welchem noch andere \u201eGestrandete\u201c sassen und wir fuhren so nach Meiringen zur\u00fcck. Die Stille im Bus war erdr\u00fcckend. Allen stand ins Gesicht geschrieben dass sie ihr Ziel nicht erreicht haben. W\u00e4re ich allein im Shuttle gesessen, ich h\u00e4tte am liebsten losgeheult. So aber sass ich still und in mich versunken da und telefonierte noch kurz mit meinem beiden Mitstreitern welche unterdessen im Ziel ankamen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/lh4.googleusercontent.com\/-FUaZHNV8xLA\/V8SXg4AbEPI\/AAAAAAAAFmI\/wWc3u9ffHpQThWjRHSVEPMC-Zamh_hmnACL0B\/w475-h844-no\/2016_AlpenBrevet_21.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>In Meiringen angekommen wollte ich nur noch zusammenpacken und nach Hause fahren. Selbst das Duschen liess ich aus, ich hatte die Nase gestrichen voll und versp\u00fcrte nur noch Entt\u00e4uschung. Trotzdem war es eine sch\u00f6ne Erfahrung und eines Tages werde ich einen neuen Anlauf nehmen. Aber kaum schon im n\u00e4chsten Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Impressionen und Resultate zum Alpenbrevet auf <a href=\"http:\/\/www.alpenbrevet.ch\" target=\"_blank\" rel=\"alternate noopener\">alpenbrevet.ch<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Fotos unter <a href=\"http:\/\/www.alphafoto.com\/event.php?eventID=790\" target=\"_blank\" rel=\"alternate noopener\">alphafoto.com<\/a> und <a title=\"VMC-Galerie\" href=\"https:\/\/plus.google.com\/u\/0\/photos\/107576835071164059479\/albums\/6324346313531653457\" target=\"_blank\" rel=\"alternate noopener\">in der VMC-Galerie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Ende der Saison 2015 habe ich den Entschluss gefasst mir f\u00fcr das kommende Jahr ein neues Ziel zu stecken, angespornt durch die tollen Leistung und Erlebnisse anderer Vereinsmitglieder. 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